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01.12.2025

Prompt Engineering vs Kontext Engineering: Warum guter Kontext die besseren Antworten liefert

Gute Prompts helfen, doch die wirklich verlässlichen Ergebnisse entstehen, wenn du der KI den richtigen Kontext gibst: strukturierte Daten, klare Regeln und passende Beispiele.

Viele sprechen noch von Prompt Engineering, also von möglichst cleveren Anweisungen an die KI. In der Praxis zeigt sich aber immer deutlicher: Entscheidend ist der Kontext. Wer Informationen, Regeln und Beispiele sauber vorbereitet und ins Modell lädt, erhält bessere, konstantere und sicherere Ergebnisse. In diesem Artikel schauen wir uns an, wo Prompt Engineering aufhört und Kontext Engineering beginnt und warum das gerade jetzt wichtig ist.

Auf einen Blick

Prompt Engineering bedeutet, gute Anweisungen zu formulieren. Also die Frage zu klären: Was soll die KI tun

Kontext Engineering bedeutet, der KI die richtigen Informationen in der richtigen Struktur bereitzustellen. Also zu entscheiden: Womit soll die KI arbeiten

Der Trend geht klar in Richtung Kontext. Wer Daten, Regeln, Beispiele, Tools und Verlauf sauber strukturiert und dem Modell als Input gibt, bekommt konstante und belastbare Ergebnisse. Diese Wirkung geht weit über einzelne clevere Prompts hinaus. Genau darauf fokussieren heute viele moderne Agenten Frameworks, etwa Anthropic oder LangChain.

Stell dir einen Koch vor

Mit einem reinen Prompt sagst du: „Mach mir ein Risotto.“

Mit Kontext Engineering stellst du zusätzlich die Speisekammer zusammen: Reis, Brühe, Käse, Pfanne, Rezeptkarte, frühere Notizen wie „mag wenig Salz“. Der Koch arbeitet schneller, sicherer und reproduzierbarer.

Genau das macht Kontext Engineering mit der KI. Du wählst bewusst aus, was die KI sehen darf, strukturierst diese Informationen und pflegst sie laufend. Es geht nicht nur darum, eine Aufgabe zu formulieren, sondern die Arbeitsbasis der KI zu gestalten.

Prompt Engineering kurz erklärt

Beim Prompting geht es darum, klare Anweisungen zu geben. Typische Elemente sind:

  • Rolle
  • Ziel
  • Stil
  • Schritte oder Struktur der Antwort

Beispiel:

„Du bist Vertriebsassistent. Formuliere eine freundliche Follow up Mail in 120 bis 150 Wörtern, mit Betreff, in Sie Form.“

Das ist hilfreich, ersetzt aber nicht die Informationsbasis. Wenn die KI keine Details zum Kunden, Produkt oder Kontext hat, bleibt die Antwort generisch. Sie klingt korrekt, trifft aber weder deinen Markenton noch die konkrete Situation.

Kontext Engineering die nächste Stufe

Kontext Engineering kümmert sich um alles, was in das Kurzzeitgedächtnis des Modells geladen wird, das sogenannte Context Window. Das ist die Menge an Text, die ein Modell auf einmal berücksichtigen kann. Grössere Fenster helfen, entscheidend ist aber die Qualität und Struktur dessen, was du hineinlegst.

Was gehört in den Kontext

  • Fakten und Daten zum Beispiel Produktinfos, Preise, Policies, FAQs
  • Beispiele zum Beispiel gute und schlechte Mails, Stilguides
  • Regeln zum Beispiel Do und Dont, Terminologie, Ton
  • Verlauf zum Beispiel bisherige Konversation und letzte Schritte
  • Werkzeuge zum Beispiel Funktionen und Tools, auf die die KI zugreifen darf
  • Aufgabenzuschnitt zum Beispiel was ist jetzt relevant und was nicht

Moderne Agenten Frameworks beschreiben dafür Strategien wie schreiben, auswählen, komprimieren und isolieren von Kontext je nach Schritt im Workflow. Ziel ist es, genau die richtigen Informationen in passender Dosis an der richtigen Stelle bereitzustellen.

Warum sich der Fokus verschiebt

Bei längeren Aufgaben wie Recherche, mehrstufigen Prozessen oder wiederkehrenden Team Workflows reicht ein einzelner Prompt nicht mehr aus. Man braucht Kontext Pflege. Typische Fragen sind:

  • Welche Dokumente sind aktuell
  • Welche Regeln gelten heute
  • Welche Zwischenergebnisse soll der nächste Schritt sehen

Anthropic beschreibt in seinem Leitfaden zu effektivem Kontext Engineering genau diese Aufgaben. Gleichzeitig entwickeln sich Tools dahin, Fähigkeiten oder Skills als Bündel aus Anleitungen, Skripten und Ressourcen pro Arbeitskontext bereitzustellen. Protokolle wie MCP Model Context Protocol helfen, externe Daten und Tools standardisiert in den Kontext zu ziehen, inklusive Sicherheits und Rechteprüfung.

Mini Beispiel Follow up Mail mit und ohne Kontext

Nur Prompt:

„Schreibe eine Follow up Mail an Frau Meier wegen Demo Termin.“

Mit Kontext Engineering:

  • Fakten: Produkt Aitonomy Inbox Genius, Preisrange, Kernnutzen Zeitersparnis, Hinweis zum Datenschutz
  • Verlauf: Erstkontakt am 10.11., Frau Meier bat um Nachfassen in Kalenderwoche 46
  • Regeln: höflicher Sie Ton, maximal 150 Wörter, Betreff mit klarem Nutzen
  • Beispiele: eine gute und eine schlechte Beispielmail
  • Toolzugriff: Kalender Check für konkrete Terminvorschläge

Das Ergebnis ist präzise, markenkonform, datenkorrekt und reproduzierbar. Und du kannst denselben Aufbau immer wieder nutzen.

RAG kurz erklärt

RAG Retrieval Augmented Generation holt relevante Dokumente aus einer Wissensquelle und legt sie als zusätzlichen Kontext dazu. Die KI weiss dadurch nicht plötzlich alles, sondern liest gezielt nach.

Das macht Antworten aktueller und präziser, wenn die Quelle sauber gewählt, kuratiert und berechtigt ist. Wichtig ist aber: RAG ersetzt kein gutes Kontext Design. Es ist ein Zulieferer. Dein Kontext muss trotzdem strukturiert, komprimiert und versionssicher bleiben.

Häufige Stolperfallen

  • Alles rein statt Auswahl
    Zu viel Text senkt Qualität und erschwert Kostenkontrolle. Besser ist, nur Relevantes sauber zu strukturieren.
  • Veraltete Dokumente
    Falscher Kontext führt fast zwangsläufig zu falschen Antworten. Besser sind Versionierung und klare Gültigkeitsdaten.
  • Kein Sicherheitsmodell
    Ungeprüfte Quellen ins Kontextfenster zu laden ist riskant. Besser ist Zugriff nach Rollen und Rechten sowie geprüfte Protokolle.
  • Nur auf Prompting setzen
    Einmalige Zauberprompts skalieren nicht. Besser sind wiederholbare Kontexte mit einfachen Checks und Evals.

Fünf Schritte für den Start im Team

Auch ohne Deep Tech Wissen kannst du mit wenigen Schritten beginnen.

  1. Ziel klären
    Was soll verlässlich herauskommen Zum Beispiel E Mails, Berichte oder Protokolle.
  2. Kontextinventur
    Welche fünf bis zehn Dokumente oder Regeln braucht es wirklich pro Aufgabe Zum Beispiel FAQs, Stilguide, Produktblatt, Policy.
  3. Struktur geben
    Baue eine kleine Kontext Map:
    • System und Regeln: fix
    • Fakten: versioniert
    • Beispiele: kuratiert, je gut und schlecht
    • Verlauf: nur relevante Schritte
  4. Beschicken statt überladen
    Nutze Auswahl und Kompression, zum Beispiel kurze Bullet Zusammenfassungen statt Volltexte. So bleibt das Context Window übersichtlich.
  5. Messen und pflegen
    Erstelle drei bis fünf Testfälle als Mini Eval und plane monatlich einen kurzen Slot für Updates von Quellen und Regeln.

Wann reicht Prompting, wann brauchst du Kontext

Prompting genügt, wenn die Aufgabe kurz ist, auf allgemeinem Wissen basiert und weder Markenstimme noch konkrete Dokumente wichtig sind.

Kontext ist Pflicht, wenn Markenstimme, Produktdetails, Richtlinien, Kundendaten, Verlauf oder mehrstufige Prozesse im Spiel sind. Genau hier gewinnst du mit Kontext Engineering Zeit, Qualität und Compliance.

Quick Check: Bist du prompt lastig oder schon kontext fit

  • Haben wir Stil und Terminologieregeln zentral, kurz und aktuell
  • Gibt es fünf wichtigste Quellen, die wir versioniert in den Kontext laden
  • Liegen zwei bis drei Beispiele gut und schlecht pro Outputtyp bereit
  • Entfernen oder komprimieren wir Ballast aus dem Verlauf
  • Prüfen wir monatlich Quellen und Ergebnisse mit einer Mini Eval

Wenn du drei oder mehr Häkchen setzen kannst, bist du gut unterwegs. Sonst lohnt sich ein kleiner Kontext Sprint.

Fazit

Bessere Prompts sind hilfreich. Die wirklich skalierbare Wirkung entsteht aber durch besseren Kontext: kuratiert, strukturiert, aktuell und sicher angebunden. Wer das beherrscht, macht aus KI Spielereien verlässliche Arbeitswerkzeuge, die in Teams und Prozessen Bestand haben.

Quellen und weiterführende Links

  • Anthropic: Effective context engineering for AI agents – praxisnahe Strategien für Agenten. Anthropic
  • McKinsey & IBM Erklärer zum Context Window – was das „Kurzzeitgedächtnis“ von LLMs ist. McKinsey & Company+1
  • LangChain Blog: Context engineering for agents – Strategien „write, select, compress, isolate“. LangChain Blog
  • Einsteiger-Guides zu RAG (als Kontext-Zulieferer). SingleStore+1

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